Die Geschichte von Serifos

MYTHOLOGIE & VORGESCHICHTE

Serifos ist verbunden mit dem Mythos der Zyklopen, die einäugige Giganten waren, welche die Insel bewohnten, und des Perseus, der König Polydeukes und die Einwohner von Serifos durch das Vorzeigen der Kopfes der Medusa zu Stein erstarren ließ. Die starke Präsenz der Insel Serifos in der griechischen Mythologie, die bis heute ihren ursprünglichen Namen unverändert beibehalten hat, spiegelt sich in der Tatsache wider, dass die Insel in der prähistorischen Zeit aufgrund des Metallaufkommens offensichtlich großes Ansehen genoss. In der Etymologie des Namens finden wir die semitische Wurzel „s-r-p“, die für „Metallverarbeitung“ steht. Nach antiken Schriftstellern waren die ersten Bewohner von Serifos thessalische Äolier. Andere Quellen erwähnen die Karen und Phönikern, die die gesamte gruppe der Kykladen bewohnten, bevor sie von den kretischen Minoern vertrieben wurden. Auf der Insel sind heute noch einige Spuren von Siedlungen aus der frühen kykladischen (3. Jahrtausend v. Chr.) und der mykenischen Epoche (1400 bis 1200 v. Chr.) zu finden. Es wurden zudem Reste von Metallverarbeitungsprodukten in frühzeitlichen Kupferanlagen sowohl auf Serifos als auch auf Kreta gefunden, wo das Metall transportiert wurde. 

 

DIE ANTIKE 

Serifos war in den antiken Jahren bis zum 7. Jh. v. Chr. eine selbstständige Monarchie durch Erbfolge. Danach wurde die Insel von ionischen Geschlechtern besiedelt, die zunächst von dem Athener Eteokles angeführt wurden. Wenig später wurde die demokratische Regierungsform eingeführt und Serifos trat zusammen mit anderen griechischen Inseln der Delischen Amphiktyonie bei. Münzen und Inschriften stellen Zeugnisse jener Zeit dar und weisen darauf hin, dass die Bewohner von Serifos damals durch die Bodenschätze ihrer Insel materiellen Wohlstand genossen. Die meisten Schriftsteller erwähnen diese Tatsache jedoch kaum und sie beschränken sich stattdessen auf spöttische Hinweise auf den kargen und steinigen Boden der Insel. Während der Persischen Kriege kämpfte Serifos an der Seite der griechischen Streitkräfte auf der Seeschlacht von Salamina und dem Kampf von Plataion. Anschließend trat Serifos der ersten Athenischen Allianz bei, akzeptierte somit die Präsenz Athens und unterstellte sich derer Führung. Nach der Niederlage der Athenischen Allianz im Peloponnesischen Krieg erlegten die Spartaner der Insel Serifos bis 377 v. Chr. ein totalitäres Regime auf. Anschließend trat Serifos der Zweiten Athenischen Allianz bei. Hiernach wurde Serifos von den Makedoniern (363 v. Chr.) und später von den ägyptischen Ptolemäern (306 v. Chr.) erobert, um anschließend wieder von den Makedoniern erobert zu werden (266 v. Chr.). Im Jahr 146 v. Chr. fiel Serifos zusammen mit dem übrigen griechischen Gebiet in die Hände der Römer, die sie 88 v. Chr. aufgrund der Allianz des Königs von Pontos, Mithridates der V. vollständig zerstörten. Während der Römischen Herrschaft diente Serifos als Exil für vermögende Andersdenkende. Aus der hellenistischen und römischen Epoche sind mehrere Gedenkstätten und Gebäude erhalten geblieben.

 

DAS MITTELALTER

In den historischen Quellen des Byzantinischen Reichs bis einschl. zum 13. Jh. wurde Serifos sehr selten erwähnt. Erst nach der Eroberung von Konstantinopel von den Franken (1204) und der Ermächtigung der Staatsbürger von Venedig, mit Mitteln von Venedig die ägäischen Inseln zu erobern, tritt Serifos wieder aus der Versenkung heraus. Nach neueren Forschungsergebnissen wurden Serifos und die benachbarte Insel Kea etwa 1220 zur Zeit der Grafschaft von Naxos, ohne jedoch ein Teil dieser Grafschaft zu sein, von Domenico Micieli und Pietro Justiniani erobert. Nach einer kurzen byzantinischen Erholungsphase etablierte sich die Herrschaft der Venezianer 1296 mithilfe von Giorgio Gisci, Herrscher von Tinos, der Serifos und Tinos je zur Hälfte zugeschrieben bekam. In den folgenden ca. 150 Jahren, als Serifos in drei Herrschaftsgebiete unterteilt blieb, wird sowohl über Blütezeiten, die eventuell mit der erneuten Inbetriebnahme der Metallverarbeitungsanlagen zusammenhängen, als auch über Zeiten des Verfalls infolge von Piratenüberfällen unter der tyrannischen Regierungszeit von Nicolo Adoldo berichtet. Nachdem Adoldo von den venezianischen Gerichten verurteilt wurde, fiel sein Inselanteil im Jahr 1433 auf Alvise Micieli, den ersten Herrscher des vereinigten Serifos. Seine Nachkommen blieben Machthaber bis 1536.

 

DIE NEUZEIT

Zwei Jahre später verwüstet der Angriff des berühmten Barbarossa die Insel und läutet den Beginn der Osmanischen Herrschaft ein. Während der Osmanischen Herrschaft ist die Insel mal den Angriffen von Piraten und mal den Kriegswirren der venezianisch-osmanischen Konflikte ausgeliefert. Die Insel blieb weiterhin eine landwirtschaftlich geprägte Wirtschaft mit wenigen Einwohnern, die mit minimalen Ressourcen unter schwerer Steuerlast zu überleben versucht. Die Lage auf den Inseln ändert sich nach der kurzen russischen Eroberung (1770 bis 1774). Die Wirtschaft von Serifos blüht dank der Handelsbeziehungen zu Hydra und des Beitrags von vermögenden Exilhändlern aus Istanbul und der Moldowalachei wieder ein wenig auf. Viele von ihnen beteiligen sich kurz vor Ausbruch des Aufstands von 1821 an Filiki Eteria. Am 21. März 1821 wird auf Serifos die Revolutionsflagge gehisst, und die Einwohner der Insel nehmen an militärischen Unternehmungen und politischen Verfahren aktiv teil und entsenden an die Nationalversammlung einen Vertreter. Die wirtschaftliche Lage der Insel bessert sich schrittweise in ersten Jahrzehnten nach der Gründung des griechischen Staates. Im Jahr 1870 beginnt der Abbau von Eisenerz, der ab 1885 zunehmend systematischer betrieben wird und bis zur Schließung der Bergwerke 1963 die Geschichte von Serifos maßgeblich beeinflusst. Die Tätigkeit der Bergwerke führte dazu, dass sich die Bevölkerungszahl gegen Ende des 19. Jh. verdoppelte und wurde gekennzeichnet vom blutigen Arbeiterstreik im Jahr 1916. Als später die Bergwerke ihre Arbeit einstellen, migriert die Bevölkerung massenweise ins Ausland. In den nachfolgenden Jahren beginnt allmählich auf Serifos die touristische Entwicklung, die die seltene Schönheit der Insel zu Tage treten lässt. 

 

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